konzeption

Das mpz ist ein selbstorganisiertes alternatives Medienzentrum, das erste und älteste in Deutschland. Die anfängliche Konzeption (1973) bezog sich erstmal auf den Bereich Schule und setzte sich zum Ziel, die schulische und politische Arbeit von Lehrern und Schülern zu unterstützen und einen gemeinsamen Arbeitszusammenhang für die praktische Medienarbeit zu schaffen. Bereits ab 1974  Filmarbeit-Arbeitslose LehrerInnenführten Projekte in anderen gesellschaftlichen Bereichen und die personelle Erweiterung des mpz zur Ausweitung der Konzeption und der Arbeitsbereiche (z.B. Stadtteil, Arbeitswelt, Umwelt, Frauen). Politisches Bezugsfeld waren neben der Schule/Hochschule vor allem die damalige Bürgerinitiativenbewegung (Mieter- und Umweltinitiativen, Anti-Atomkraftbewegung), oppositionelle Gewerkschafts- und Betriebsgruppen Filmarbeit Hafenarbeiterstreik 1951und soziale Bewegungen (Frauengruppen, Jugendzentrumsinitiativen). Mit Hilfe von Medien  (insbesondere mit Video) sollten gesellschaftspolitische Konflikte aufgegriffen und Initiativen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden. Ausgehend von der Erfahrung, dass sich die herrschenden Massenmedien vom realen erfahrbaren Leben entfernt hatten oder das Leben nur in seinen Sensationen und Ausnahmen darstellten und den „einfachen Menschen“ keine Möglichkeit gaben, ihre Meinung zu äußern, ging es darum, die „Benachteiligten“, die „Betroffenen“ zu Wort und ins Bild kommen zu lassen.

Cover der ersten Ausgabe mpz materialien 1973In unserem medientheoretischen Selbstverständnis knüpften wir an der Konzeption einer eingreifenden und selbsttätigen Kulturarbeit und Gegenöffentlichkeit an, wie sie von Tretjakow, Brecht, Benjamin im Kontext der Arbeiterkulturbewegung in den 1920er/30er Jahren und von Enzensberger, Negt, Kluge in den 1970er Jahren formuliert worden war. Kultur sollte nicht länger von der Wirklichkeit abgehoben und aus dem Arbeits- und Lebenszusammenhang herausgelöst sein, sondern integraler Bestandteil des alltäglichen Lebens der Menschen und in dieses verändernd eingreifen. Die kulturelle Tätigkeit sollte zudem nicht nur Sache von Spezialisten, Profis sein, sondern zu einer produktiven Tätigkeit aller Menschen werden. Gegenöffentlichkeit sollte sich nicht auf Medienkritik und Gegeninformationen mit aufklärerischem Inhalt beschränken, sondern sich in eigenen Produktionsformen von Öffentlichkeit, in kollektiven und selbstbestimmten Zusammenhängen artikulieren. An dieser medienpolitischen Utopie einer eingreifenden und selbsttätigen Kultur- und Medienarbeit orientiert sich auch heute noch unsere Medienzentrumsarbeit.

Inzwischen sind Medienzentren „gesellschaftsfähig“ geworden. Jede Stadt, jede Firma hat heute ihr Medienzentrum, das jedoch mit den Medienzentrums-Utopien der 1970er/80er Jahre wenig zu tun hat. Daher möchten wir einige Unterscheidungsmerkmale in Erinnerung rufen, die wir für alternative Medienzentren wichtig finden: Selbstorganisation, politische und ökonomische Unabhängigkeit, Unterstützung politischer, sozialer und kultureller Bewegungen, Parteilichkeit für die Benachteiligten in dieser Gesellschaft, offener Zugang zu den Medien, mediale Selbsttätigkeit, Verwendung relativ einfacher und billiger Medien, kollektive und nichthierarchische Arbeitsstrukturen, dezentrale Produktion und Verbreitung.

Mehr Informationen zu Selbstverständnis, Arbeitsweise und Fördermöglichkeiten des mpz – kurz zusammengefasst auf unserem Faltblatt.